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Ventilspiel prüfen und einstellen

Anfang Mai habe ich bei einem Kilometerstand von 50.100 km das Ventilspiel kontrolliert. Da das Ventilspiel laut Vorgabe von Yamaha bei 40.000 km überprüft werden soll, hatte ich doch schon ein schlechtes Gewissen und wollte nicht noch bis Ender der Saison warten. Leider habe ich es versäumt Fotos zu machen, was mich im Nachhinein ärgert.

Ich hatte mir vorab schon mal eine Reparaturanleitung und die Wartungsanleitung von Yamaha besorgt. Dort ist es schon ganz gut beschrieben. Allerdings sollte man etwas Schrauberkenntnisse besitzen.

Um den Ventildeckel demontieren zu können, muss das Kühlwasser abgelassen und der Kühler abgebaut werden. Danach dann das SLS, das Abgasrückführsystem, demontieren, was eine ganz schöne Fummelei ist. Da habe ich ganz schön geflucht. Deshalb habe ich es auch gar nicht mehr eingebaut. 😈 Dann muss man noch die Schläuche, die von oben auf den Zylinderkopf gehen und den Thermostaten lösen. Nach Entfernen der Zündkerzenstecker und Lösen der Deckelschrauben kann der Deckel mit einiger Fummelei zur rechten Seite herausgezogen werden.

Um die Stellung des OT der jeweiligen Zylinders zu sehen, muss der Zündungsdeckel demontiert werden. Der jeweilige Zylinder wird dann auf OT gedreht und das Ventilspiel an den 5 Ventilen gemessen. Ventilspiel Auslass ist 0,21 – 0,25 mm und Ventilspiel Einlass ist 0,11 – 0,20 mm. Da ich eine Fühlerlehre in 0,5 mm Schritte habe, konnte ich nicht vernünftig das Ventilspiel ermitteln. Also musste ich mir erst mal eine passende Fühlerlehre besorgen. Sie darf aber auch nicht zu breit sein, da man sonst nicht das mittlere Einlassventil messen kann. Nach Ermitteln der Ventilspiele und Eintragen in eine Tabelle konnte ich feststellen, dass alle Ventile noch in der Toleranz, aber 6 Stück schon an der Grenze waren. Jetzt stellte sich die Frage, zusammenbauen und die Saison noch fahren oder Ventilspiel einstellen. Da sowieso schlechtes Wetter war, habe ich mich dafür entschieden, die Ventile einzustellen.

Das Ventilspiel wird über kleine Plättchen (Shims), die unter einem Hütchen unter den Nockenwellen liegen, eingestellt. Dazu müssen die Nockenwellen demontiert werden. Dann muss ermittelt werden, welcher Shim in welcher Stärke eingebaut ist und dann kann mit Hilfe einer Tabelle ermittelt werden, welcher Shim dann neu eingesetzt werden muss. Durch Tauschen untereinander konnte ich zwei Shims weiter verwenden und brauchte 4 neu. Diese habe ich mir dann bei meinem freundlichen Yamaha-Händler Engel in Haltern besorgt. Neue Dichtungen mussten bestellt werden, sodass ich zwei Tage Zwangspause hatte. Die Shims habe ich kostenlos! im Austausch bekommen. Das finde ich sehr kulant. Die Ventildeckeldichtung kostet 35 Euro. Es wurde im Fazerforum diskutiert, ob es notwendig sei, sie zu erneuern, habe mich aber dafür entschieden und eine neue montiert. Die Dichtung ist mittlwerweile 8 Jahre alt und nicht mehr so weich wie die Neue. Wird der Deckel nicht richtig dicht und das Öl sifft raus, hat man doppelte Arbeit. Somit hat mich die ganze Geschichte 40 Euro gekostet und ich habe wieder 40.000 km Ruhe.

Nachdem ich die neuen Shims nun hatte, konnte ich sie einsetzen und die Nockenwellen wieder montieren. Um zu sehen, ob die Ausrichtung der Nockenwellen stimmt, muss alles montiert werden, die Nochenwellen, die Lagerböcke mit unendlichen Schrauben und der Steuerkettenspanner, um dann festzustellen, dass die Auslasswelle ein Zahn versetzt ist. Also alles wieder los, neu ausrichten, montieren, Auslass stimmt, Einlass nicht mehr! 👿 Dieses Spielchen habe ich insgesamt 4 Mal gemacht.

Nachdem die Nockenwellen dann endlich passten, mussten die Lagerböcke mit 40 Nm angezogen werden. Da ich vermute, dass die Genauigkeit meines Drehmomentschlüssels, der bis 200 Nm geht, nicht so hoch ist, habe ich mir noch einen kleineren Drehmomentschlüssel geborgt.

Danach dann alles wieder montieren, Deckel mit neuen Dichtung, das SLS habe ich weggelassen, Kühler montieren, Kühlwasser auffüllen und dann vorsichtig Probelauf. Nochmal gucken, ob der Kühlwasserstand gleich geblieben ist, nicht das irgendwo eine Blase war und testen ob sich der Lüfter wieder einschaltet nach einer Minute im Stand. War alles in Ordnung und auch nichts undicht.

Mittlerweile bin ich wieder ein paar hundert Kilomerter gefahren und es ist noch alles dicht.

Fazit: Mit dem richtigen Werkzeug ist die Arbeit zu schaffen. Man kann viel Geld sparen, ist aber zeitintensiv und nervenaufreibend.